Project: 5on5

Projektidee:

  • 5 Tage lang jeden Tag nur 1 Euro für Lebensmittel aufwenden.
  • Die eingesparte Summe für das Schulprojekt Ngaoubela, Kamerun spenden.

Zur Vorgeschichte:

Seit dem Winter 2006 betreue ich ein Schulprojekt in Ngaoubela, Kamerun. Bei dem Projekt geht es darum mittellosen Kindern im Dorf Ngoaubela die Möglichkeit zu bieten lesen und schreiben zu lernen. Meine Projektpartnerin Frau Anni Purtscher reist jedes Jahr nach Kamerun um dort mit den Kindern, Lehrern und Eltern zu Arbeiten. Nach einer solchen Reise hat sie mir einmal erzählt, dass die Einheimischen in Ngaoubela Lebensmittel im Wert von ca. 1 Euro pro Tag benötigen. Wer nichts selbst anbaut oder jagt muss sich diesen Euro pro Tag durch Arbeit verdienen oder erbetteln.  Tja, und da habe ich mir überlegt, ob es auch hier in Österreich möglich ist mit Lebensmittel für 1 Euro pro Tag zu leben …

Die Randbedingungen:

Um das Projekt möglichst realitätsnah zu gestalten gelten folgende Randbedingungen:

  • Es steht nur 1 Euro pro Tag zur Verfügung
  • Restgeld kann am nächsten Tag mit verwendet werden
  • Die Läden in denen eingekauft wird müssen in Gehdistanz zum Wohnort liegen
    (< 5km, soweit gehen Menschen in Ngaoubela bis zum Markt)
  • Leitungswasser ist gratis (In Ngaoubela kostet Trinkwasser auch nichts)
  • Start ist bei Null, d.h. es stehen auch keine Gewürze zur Verfügung.
  • Kochen ist erlaubt (Feuerholz kann man in Ngaoubela gratis sammeln)

Rechnung Tag 122.02.2010 – Tag 1 – Brot & Salz:

Ich habe das Projekt immer und immer wieder hinausgeschoben, doch heute ist es soweit  – ich fange einfach mal an. Zum Frühstück gab’s ein Glas Leitungswasser. Danach machte ich mich in den nahe gelegenen Sparmarkt auf um einzukaufen. Nach etwas überlegen kaufte ich einen Wecken Toastbrot (0,39 Cent)  und Salz (0,25 Cent). Den Speiseplan für heute könnt ihr Euch somit selbst vorstellen: Wasser, Brot & Salz.

Selbstverständlich hat meine Familie ganz normal gegessen und ich bin recht stolz, dass ich standhaft geblieben bin. Mal sehen was der morgige Tag bringt. Da ich etwas Restgeld von Heute habe beträgt mein morgiges Budget ja 1,36 Euro.

23.02.2010 – Tag 2 – Nudeln & Tomatenmark:

Die Geschichte geht irgendwie leichter als erwartet. Irgendwie habe ich dieses Projekt schon so lange in meinen Gedanken gewälzt, dass ich mental gut vorbereitet bin. Somit kann ich den Verlockungen des Alttags bisher gut widerstehen. Obwohl, es wird mir nicht leicht gemacht, denn in der Firma gibt es jetzt diese lecker aussehenden Sesam-Honig Riegel. Aber wie gesagt ich bin hart geblieben. Aufgrund der 36 Cent Restgeld von gestern hatte ich heute ein höheres Budget, welches für Nudeln und Tomatenmark reichte. Somit sah mein heutiger Speiseplan wie folgt aus: Frühstück Toastbrot, Mittag Nudeln mit Tomatenmark, Abend: Toastbrot und Nudeln mit Tomatenmark. Nicht gerade Abwechslungsreich aber wie gesagt man kann davon leben. Restgeld habe ich auch noch 19 Cent. Negative Auswirkungen stelle ich bisher keine fest. Ich habe heute beim Luftgewehrtraining meine Bestleistung von 393 Ringen eingestellt.

24.02.2010 – Tag 3 – Reis & Äpfel:

Es ist interessant wie schnell man sich daran gewöhnt nur Wasser zu trinken und zwar morgens, mittags und abends.Das heutige Budget von 1,19 Euro reichte für 1 gk Reis und zwei Äpfel – die ersten Vitamine in dieser Woche. Mit den übriggebliebenen Lebensmitteln der Vortage habe ich schon ein recht schönes Lager beieinander. Allerdings ist aufgrund fehlender Gewürze der lukullische Genuss stark eingeschränkt. Meine einzigen “Gewürze” sind Tomatenmark und Salz. Heute Abend stand dann die nächste Versuchung ins Haus. Im Rettungsnachtdienst ist normalerweise Junk-Food vom Imbissstand. Während meine Kollegen sich mit Currywurst und Pommes verwöhnten gab es für mich Apfel und einen Rest Reis und Nudeln. Ich bin gespannt wofür ich meine 1,13 Euro ausgeben werde.

25.02.2010 – Tag 4 – Thunfisch:

Die letzten drei Tage habe ich vegetarisch gelebt – eigentlich unbemerkt und auch nicht geplant. Heute habe ich mir spontan eine Dose Thunfisch mit Gemüse gegönnt. Zusammen mit den Nudeln ergab sich eine recht nette Pasta al Tonno. Allerdings hat dieses Projekt neben dem ernährungsstechnischen Einfluss auch einen sozialen. Ich musste nämlich die Mittagsesseneinladung von einem lieben Freund Ausschlagen um meinem Projekt treu zu bleiben. Beim Spieleabend musste ich dann der Versuchung mit den anderen Schokolade zu knabbern und Cola zu trinken widerstehen. Aber mit Blick auf den morgigen Endspurt habe ich es geschafft. Würde ich das ganze als Diät machen hätte ich sicher nicht diese Konsequenz, aber irgendwie liegt bei diesem Projekt die mentale Motivation etwas anders und deshalb ist es ist viel leichter durchzuhalten . Mit dem Restgeld von gestern und heute geht es nun mit ganzen 1,44 Euro in den letzten Projekttag.

26.02.2010 – Tag 5 – Karotten & Bohnen:

Eigentlich wollte ich ja Bratkartoffeln machen. Aber im Supermarkt in dem ich einkaufte gab es keine offenen Produkte und die Megapacks von Kartoffeln und Zwiebeln lagen außerhalb von meinem Budget. So musste ich mich schlussendlich mit einem Kilo Karotten und einer Dose Roter Bohnen begnügen. Zusammen mit dem Reis und dem restlichen Tomatenmark gab es eine sättigende, wenn auch nicht gerade “anmachig” ausschauende Mahlzeit. Ansonsten hieß es den restlichen Tag den Versuchungen wie Tofifee am Spieleabend zu widerstehen. Als es dann Mitternacht war, hätte ich mich ja an Süßigkeiten vergreifen können, aber ich blieb hart. Und so freue ich mich nach dem ich diese Zeilen geschrieben habe auf die erste Tasse Kaffe seit 5 Tagen.

Ein paar Tage später – “Back to normal”?

So gut wie am ersten Tag nach meinem Projekt hat mir der Kaffee schon lange nicht mehr geschmeckt. Auch die Marmelade und die Butter schmeckten irgendwie intensiver. Ja, man lernt auch die kleinen Dinge wieder etwas mehr schätzen, wenn man gezwungen war seinen Speisezettel nach einem extrem kleinen Budget zu richten. Aber nun zum Ergebnis dieses Projektes:

Ja, es ist möglich in Österreich mit Lebensmitteln um 1 Euro pro Tag zu leben. Sogar mit den verschärften Projektbedingungen war dies möglich. Mit der Zeit würde es sogar leichter werden, da sich ein kleiner Grundsstock an Grundnahrungsmitteln ansammelt. So hatte ich nach meinem Projekt noch je ein halbes Kilo Reis, Nudeln und Karotten sowie fast die ganze Packung Salz übrig.

Allerdings stellt man auch fest, das Fleisch, frische Obst und Gemüse recht luxuriöse Güter sind. Das Hauptproblem ist dabei nicht einmal so der Grundpreis, sondern, dass es in vielen Läden einfach keine lose Ware mehr gibt. Und so  ist man gezwungen einen 1 Kilo Sack Zwiebeln zu kaufen auch wenn man nur eine Zwiebel benötigt. Also, ja man kann mit Lebensmitteln um einen Euro pro Tag leben. Man muss nicht Hungern – aber man ernährt sich nicht sonderlich gesund.

Nach etwas rechnen und aufrunden bin ich auf einen eingesparten Betrag von 50 Euro gekommen. Diesen Betrag spende ich meiner Projektpartnerin Anni Purtscher für Ihr Schulprojekt in Ngaoubela Kamerun, welches mich auf die Idee für dieses Experiment gebracht hat. Falls Ihr das Projekt auch unterstützen wollt könnt ihr diese mittels dies durch einen Klick auf den nebenstehenden Spendebutton mittels PayPal tun. Alle eingehenden Spenden gehen ohne Abzug an das Schulpojekt von Frau Anni Purtscher.

Ach ja, kühles klares Wasser ist ein wunderbares Getränk, auch das habe ich in den 5 Tagen meines 5on5 Projektes gelernt.

2 Responses to “Project: 5on5”


  • I was very interested in your project. It surely wasn’t easy with all these temptations around. I look forward to hearing more about the project in Cameroon.

  • Hi Isobel,
    thanks for the comment – it’s great to hear from you.

Leave a Reply

*